Concrete Fabric

Paradox: Menschen, die von Berufs wegen Anzüge tragen, können es wahrscheinlich kaum erwarten, die steife Hülle nach Feierabend möglichst schnell abzustreifen. Mich treibt die gegenteilige Sehnsucht: Ich würde gerne ab und an einen Anzug tragen, aber es bietet sich kaum Gelegenheit dazu. Mein Umfeld kleidet sich eher leger, und oft wäre ein Anzug schlichtweg unpraktisch. Also beschränke ich mich auf eine alltagstaugliche Workwear-Optik und schmuggle nur ab- und zu ein Jacket in die Garderobe. Aber mit dem Alter schleiche ich auf Seidenpfoten zum eigentlichen Ziel.

Herrenmode – allein der Begriff klingt antiquiert. Bei aller Faszination für das Handwerk schreckt mich das elitäre Element ab. Diente nicht gerade auch Herrenmode dazu, soziale Unterschiede zu markieren, die Gesellschaft in Klassen abzuteilen und gar den „Westen“ vom „den anderen“ zu trennen?

Das Feld ist heute viel offener. Genregrenzen werden in allen Bereichen verschoben und übersprungen. Wir können Kleider nicht mehr ungefiltert sehen und tragen.